Digitalisierung und Kultur

Kulturdialog Schleswig-HolsteinErstmals in der Geschichte Schleswig-Holsteins hat eine Landesregierung ein Konzept für die Kulturpolitik des Landes verabschiedet. In der Sitzung vom 1. Juli 2014 billigte das Kabinett die von Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW) vorgelegten “ Kulturperspektiven Schleswig-Holstein“. Die „Kulturperspektiven“ stellen den Rahmen für die Kulturpolitik des Landes der nächsten Jahre dar und sind das Ergebnis des Kulturdialoges.

Im Rahmen des Kulturdialog Schleswig-Holstein wurden 2013-2014 in verschiedenen Arbeitsgruppen Leitlinien für die Kulturpolitik im nördlichsten Bundesland entwickelt. Auf Einladung von Ministerin Anke Spoorendonk nahm theinformationsociety.org am Kulturdialog teil.

Kulturministerin Anke Spoorendonk sagte dazu:

„Dies ist das Ergebnis eines erfolgreichen Kulturdialogs. Wir hatten angekündigt, mit der Kulturszene und mit Interessierten darüber ins Gespräch zu kommen, welche Schwerpunkte unsere Kulturpolitik künftig haben soll. Das ist uns überzeugend gelungen. Es hat viele Vorarbeiten und Anregungen aus der Kulturszene gegeben, die meisten davon haben wir aufgegriffen. Ich möchte mich bei all denen bedanken, die am Konzept mitgewirkt haben.“

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden im Rahmen des Kulturplenums im Plenarsaal des schleswig-holsteinischen Landtages am 28.02.2014 vorgestellt und diskutiert. In einem Redebeitrag wies Christian Möller darauf hin, dass Digitalisierung ein großes Potential für die Kultur bietet, aber kein Allheilmittel ist. Auszüge aus dem Redemanuskript:

„Zunächst einmal: Das Internet ist eine gute Sache. Kulturpessimismus ist nicht angesagt, das Internet ist keine Bedrohung, sondern bietet ein großes Potential für kulturelle Einrichtungen und kulturelle Bildung und Teilhabe. Noch nie wurde beispielsweise so viel gelesen wie heute und wahrscheinlich auch noch nie soviel ausprobiert und so viele Werke produziert.
Für die Kultur in Schleswig-Holstein bietet die Digitalisierung und das Internet vor allem in drei Bereichen große Chancen:

1. Marketing in Form von Webseiten, Social Media, Datenbanken etc.. Gerade in einem Flächenland wie Schleswig-Holstein kann darüber hinaus verstärkt mit geo-basierten Diensten gearbeitet werden., beispielsweise einer App, die alle kulturellen Einrichtungen in meiner Umgebung zeigt.

2. Neue didaktische und Vermittlungsformen.

3. Nicht zuletzt entstehen aber auch genuin neue Kulturformen. Die Ministerin erwähnte Computerspiele, aber auch zahlreiche andere Formen zwischen
Nichts Neues: Wer erinnert sich an ASCII Art? Seit den 1980ern und vieles wird noch kommen, das heute noch unvorstellbar ist.

Dennoch gibt es einige Caveat beim Lobgesang auf das Potential des Internet für die Kultur, von denen ich 2 Punkte gerne einmal herausgreifen würde:

1. Das alles passiert nicht automatisch. Es ist nicht ausreichend, ein Glasfaser-Kabel in ein Dorf zu legen oder ein paar Tablet-Computer in eine Schulklasse zu legen. Das muss auch sein, aber eben nicht nur.

Der kompetente Umgang mit Medien gehört zu einer umfassenden ästhetischen Bildung in mindestens zwei Dimensionen, Stichwort technische und inhaltliche Medienkompetenz:
Zum Einen: Die Fähigkeit zur Analyse und Dekonstruktion von Medien und die Bewertung von medialen Formen und Inhalten unter ästhetischen Gesichtspunkten. Sämtliche Medien unterliegen durch Auswahl oder Gestaltung einer gewissen Konstruktion von Wirklichkeit. Nur das Erkennen dieser (Produktions-) Prozesse und ermöglicht den kompetenten Umgang mit Medien und ihre Einordnung in ästhetische und gesellschaftliche Zusammenhänge.
Zum anderen: Die Fähigkeit, verschiedene Medien selbst zur ästhetischen Gestaltung und (künstlerischen) Produktion einzusetzen, sowohl in Zusammenhang mit klassischen Ausdrucksformen (Musik, Gestaltung, Design, Film, Fotografie etc.) als auch in neuen (multimedialen) Formen. Hierbei handelt es sich um eine Schlüsselqualifikation, die als Querschnitt alle Bereiche der ästhetischen Bildung umfasst.

2. Das Internet kann immer nur eine Ergänzung sein, nie ein Ersatz. Kultur lebt von der Unmittelbarkeit, von dem eigenen Erleben, von Authentizität, Nähe und Persönlichkeit
Zwar können Präsenzangebote in lokalen Einrichtungen durch die Nutzung digitaler Angebote ergänzt werden, aber viele kulturelle Angebote sind in ihrer Unmittelbarkeit nicht durch Online-Alternativen ersetzbar. Beispielsweise eine Kamera auf eine Theaterbühne zu stellen und das Theaterstück ins Internet zu streamen ersetzt kein Theaterstück – das ist eben kein Bühnenstück mehr. Das gibt es zwar auch, aber das heißt dann Fernsehen. Und das können Kinos und Fernsehsender besser als Theater.“

 

Ein vollständiges Wortprotokoll des Kulturplenums ist hier verfügbar (Beitrag ab Seite 79):
Ministerium für Justiz, Kultur und Europa des Landes Schleswig-Holstein: Wörtliche Niederschrift. Kulturplenum 28.02.2014

Die kompletten „Kulturperspektiven Schleswig-Holstein“ stehen hier zur Verfügung.