Facebook Timeline: Das Leben der Anderen

Facebook wird in den nächsten Wochen mit seiner „Timeline“ eine neue Profilansicht einführen – und revolutioniert damit die Art und Weise in den Leben der Anderen zu stöbern.

Nach einiger Verzögerung steht der der genaue Zeitpunkt der Einführung der Timeline noch immer nicht fest, es könnte aber bereits Ende November soweit sein. Andere Quellen sprechen von einem Roll-out innerhalb des nächsten Monats.

Experimentierfreudige Facebook-Nutzer können aber auch bereits jetzt die Timeline ausprobieren und sich an der kreativen Gestaltung ihres Cover Photos versuchen.

Facebook Timeline

Was also ist die Facebook Timeline? Auf der einen Seite zunächst einmal lediglich eine neuartige Darstellung der Nutzer-Profile. Auf der anderen Seite ändern sich damit jedoch auch grundlegend die Möglichkeiten, im eigenen und dem Leben der Anderen zu stöbern.

Wo man bisher strikt chronologisch vom Neuesten zum Vergangenen scrollen konnte, ermöglicht die Timeline nun den direkten Zugriff auf jeden Moment des Lebens. Des ganzen Lebens wohlgemerkt, denn die Timeline erlaubt auch nachträgliche Ergänzungen, sogar für die Zeit vor Facebook.*

Dem Nutzer wird so die Möglichkeit gegeben, sein komplettes Leben von der Geburt bis heute bei Facebook auszubreiten – und seinen Freunden oder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Grund mehr also, nochmals einen Blick in die Privatsphäre-Einstellungen zu werfen.

Daneben sorgt ein erweiterter Social Graph für mehr Interaktionsmöglichkeiten der Apps, die dann – teilweise automatisiert – im Profil erscheinen.

Zeitmaschine

Neben einem direkten Zugriff über die namensgebende Zeitachse bietet die Timeline auch die Möglichkeit auf das Profil über verschiedene Kategorien zuzugreifen, beispielsweise über Check-ins, Friends, Photos oder Likes.

Dazu kommt eine einfache chronologische Navigation, entweder entlang der einzelnen Einträge oder mit einem Sprung direkt in einen bestimmten Monat eines bestimmten Jahres. Facebook ist so freundlich, die Links zu den Monaten, in denen es Statusupdates gab, automatisch zu erstellen. Sowie einen Eintrag für die eigene Geburt – Zeit also, die Kinderbilder zu scannen.

So können Freunde auf einen Klick beispielsweise nicht nur sehen, was ich im Sommer 2008 gemacht habe, sondern sich auch in einer übersichtlichen Kartendarstellung alle Orte ansehen, die ich etwa im August 2008 besucht habe. Oder wie viele Freunde man in diesem Sommer gewonnen hat.

Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast. Und vorletzten.

Das Argument, dass auch in der Timeline lediglich Informationen veröffentlicht werden, die die Nutzer selbst eingestellt haben und die auch heute schon vorhanden sind, greift zu kurz.

Genauso könnte man behaupten, eine Invers- (also Rückwärts-) Suche, um von einer Telefonnummer auf den Anschlussinhaber zu kommen, sei auch bereits mit Hilfe eines Telefonbuches möglich gewesen. Theoretisch mag dies zwar stimmen, praktisch zeigen sich hier aber die zusätzlichen Möglichkeiten, die sich durch Datenakkumulierung und Sortierung ergeben.

Die Timeline geht über eine bloße neue Form der Darstellung hinaus, sie schafft eine neue Qualität der akkumulierten Daten. 1 + 1 sind auf einmal 3.

Vielleicht hatten deswegen manche Kommentatoren den Eindruck, Marc Zuckerberg sei bei der Präsentation seiner eigenen Timeline selbst überrascht gewesen:

Daten-Frühjahrsputz

Ein Daten-Frühjahrsputz, wie Kashmir Hill ihn vorschlägt, ist in jedem Fall sicherlich keine schlechte Idee beim Umstieg auf die Timeline.

Wenn die Party-Bilder der Abschlussfeier, die bis jetzt in den Tiefen des Facebook Profils verborgen waren, auf einen Mausklick für alle wieder verfügbar sind, mag manch einer sich vielleicht tatsächlich als Kurator seiner eigenen Timeline betätigen. (Den direkten Link zum Studienabschluss hat Facebook, wie Links zu allen wichtigen Ereignissen in der Timeline, bereits selbsttätig erstellt.)

Vor allem in Verbindung mit der Kartendarstellung lassen sich erstaunliche Einblicke in das eigene Leben – und eben auch das Leben der Anderen – auf Facebook erlangen. Ein näherer Blick auf Facebooks aufgebohrte Freundes-Listen, um festzulegen, wer diese Anderen sind, lohnt sicherlich ebenfalls.

Charlie White von Mashable sieht bereits weitere Anwendungen für die Timeline, etwa die Darstellung der Geschichte des Familienunternehmens, die Präsentation der „Timeline einer Beziehung“ – statt Diashow – auf der Hochzeit, oder die PR-polierte Darstellung eines Politikerlebens.

Das Leben als Album

Schließlich bieten die Privatsphäre-Einstellungen auch die Möglichkeit, Inhalte nur für sich selbst (naja, und für Facebook) zugänglich zu machen und so ein ganz eigenes, visuell ansprechendes und einfach zu navigierendes, interaktives Album seines Lebens anzulegen. Und vielleicht später an die Enkel weiter zu geben.

Ob die Neuerung einem zusagen wird oder nicht, sollte man am besten selbst ausprobieren. Die Erfahrung zeigt, dass erst das Stöbern in der eigenen Timeline die ganze Dimension der Änderungen vor Augen führt.

Die zukünftigen Verwendungen von Facebooks Timeline sind heute jedenfalls noch nicht abzusehen. Die Vorstellung einer Verknüpfung von Timeline und Facebook Pages und damit die Möglichkeit, verschiedene Timelines für verschiedene Zwecke anzulegen, lässt jedoch die langfristige Entwicklung erahnen.

In jedem Fall begibt sich Facebook mit der Timeline auf eine neue Ebene – und es bleibt spannend, wie die Nutzer diese Änderungen annehmen.

______
* Ja, es gab ein Leben vor Facebook.

Photo: Diana.82/flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Facebook & Bundesliga

Auch die Mannschaften der Fußball Bundesliga nutzen zunehmend soziale Netzwerke. Zum 8. Spieltag an diesem Wochenende hat theinformationsociety.org mal einen Blick auf die Tabelle geworfen – bei Facebook.

Spätestens seit der Saison 2011/2012 sind alle Erstliga-Vereine der Fußball-Bundesliga mit offiziellen Präsenzen auf Facebook vertreten. Tabellenführer ist – wie auch auf dem Platz – der 1. FC Bayern München, gefolgt von Borussia Dortmund und Schalke 04. Für die Platzierung wurde ausschließlich die Zahl der Fans der jeweiligen offiziellen Facebook-Seiten betrachtet. Diese schwanken zwischen mehr als 2 Millionen Fans bei Bayern München und gerade einmal gut 36.000 bei Hoffenheim.

 

Facebook-”Tabellenplatz”

(28.09.2011)

Bundesliga Tabellenplatz

(7. Spieltag)

Zahl der Fans

(28.09.2011)

Verein

1

1

2.179.593

FC Bayern München

2

8

600.357

Borussia
Dortmund

3

5

333.940

FC Schalke 04

4

2

296.541

SV Werder Bremen

5

18

256.418

Hamburger SV

6

10

243.263

1. FC Köln

7

7

208.292

VfB Stuttgart

8

6

114.001

Hannover 96

9

9

113.701

1. FC Nürnberg

10

12

96.518

Hertha BSC

11

15

75.613

1. FC
Kaiserslautern

12

3

74.309

Borussia
Mönchengladbach

13

11

67.961

Bayer 04
Leverkusen

14

13

48.719

VfL
Wolfsburg

15

17

41.949

SC Freiburg

16

16

41.583

FC Augsburg

17

14

40.858

1. FSV Mainz 05

18

4

36.159

1899 Hoffenheim

 

Während bei ähnlichen Untersuchungen in der Vergangenheit manche Teams noch lediglich Facebook-Seiten aufweisen konnten, die offenbar von Fans erstellt wurden, ist heute jede Mannschaft mit einer offiziellen Fanpage bei Facebook vertreten. Doch Aufmachung und Funktionsumfang der Seiten unterscheidet sich deutlich. Zunächst einmal haben alle Vereine eine Vanity-URL und einen Landing Tab – doch nicht bei allen funktioniert dieser beim sicheren Browsen über HTTPS.

Einige Seiten nutzen die Facebook Places Funktion – wenn auch mit bescheidenem Erfolg. Selbst die Seite der Münchener kann lediglich 17 Check-ins verzeichnen, der VfB Stuttgart kommt immerhin auf 156 Besuche. Anders sieht dies freilich bei den Stadien selbst aus: Die Imtech Arena verzeichnet -trotz oder wegen des Saisonstarts des HSV- 10.700 Besuche, gegenüber 7.400 Check-ins am Millerntor. Die Rhein-Neckar-Arena des TSG 1899 Hoffenheim hatten bald 5.000 und die Allianz Arena knapp 37.000 Besuche bei Facebook. In welcher Beziehung diese Stadien-Seiten zu den offiziellen Auftritten der Heimmannschaften stehen, ist nicht immer klar ersichtlich.

Darüber hinaus bieten die Vereine verschiedene Services und Apps an, von der Möglichkeit Freunde einzuladen wie beispielsweise die Stuttgarter, bis hin zu einer eigenen Allianz Arena-App bei den Bayern. Links zu Online-Tickets, Mannschaftsaufstellung, Fan-Shops und personalisierten Trikots oder dem Quiz zur Mannschaft komplettieren das Angebot.

FCB bei Facebook

Beeindruckend ist in jedem Fall die Steigerung der Zahl der Fans gegenüber dem Ende der Bundesliga-Saison 2009/2010. Der Musik-Blog quu.fm hatte damals eine ähnliche Untersuchung durchgeführt. Bereits seinerzeit hieß der Spitzenreiter Bayern München – und St. Pauli wäre auf dem 3. Platz gelandet, hätten sie zu dieser Zeit schon und noch erstklassig gespielt. Bei der Reihung hingegen gibt es kaum Unterschiede zu heute, wenn man von Dortmund und Schalke absieht, die sich um 5 bzw. 4 Plätze verbessern konnten. Hoffenheim und Stuttgart sind hingegen um -4 bzw. -5 Punkte gefallen.

Eine bemerkenswerte Steigerung der Zahl der Faceboo-Fans können hingegen alle Vereine verzeichnen. Diese liegt bei zwischen knapp 2000 Prozent und immer noch stolzen guten 300 Prozent im Vergleich zu Anfang 2010. In absoluten Zahlen sind dies ein Plus von guten 2 Millionen Fans bei Spitzenreiter Bayern, gefolgt von Dortmund mit 570.000. Das Schlusslicht bildet auch hier Hoffenheim mit knappen 28.000 Fans. Selbst die Vereine, die Tabellenplätze bei Facebook verloren haben, konnten also Fans hinzugewinnen, wobei die Zahlen weit auseinander gehen.

 

Facebook-”Tabellenplatz”

(28.09.2011)

Verein

Fans nach der Saison 2009/2010

Anstieg seit 2009/2010

(in %)

Facebook-Platzierung nach der
Saison 2009/2010

Veränderung des Facebook
“Tabellenplatzes”

seit der Saison 2009/2010

1

FC Bayern München

117.343

1.757

1

0

2

Borussia
Dortmund

28.619

1.998

6

+4

3

FC Schalke 04

19.807

1.586

8

+5

4

SV Werder Bremen

34.013

772

4

0

5

Hamburger SV

55.862

359

2

-3

6

1. FC Köln

28.570

751

7

+1

7

VfB Stuttgart

40.572

413

3

-4

8

Hannover 96

11.497

892

9

+1

9

1. FC Nürnberg

10.500

983

10

+1

10

Hertha BSC

9.734

892

11

+1

11

1. FC
Kaiserslautern

-

-

-

-

12

Borussia
Mönchengladbach

9.025

723

12

0

13

Bayer 04
Leverkusen

6.238

989

15

+1

14

VfL
Wolfsburg

7.097

586

14

0

15

SC Freiburg

4.982

742

16

+1

16

FC Augsburg

-

-

-

-

17

1. FSV Mainz 05

4.738

762

17

0

18

1899 Hoffenheim

8.840

309

13

-5

Der Erfolg der Facebook-Seiten scheint eng mit dem Erfolg der Vereine und der Treue der “echten” Fans verknüpft zu sein. Hoffenheim als relativ junge Mannschaft mit neuem Stadion hat es hier sichtlich schwer, wohingegen Bayern München offenbar besonders durch internationale Auftritte punkten kann, wie sich unter anderem in englischsprachigen Posts zeigt. Inwiefern allerdings die technische Gestaltung der Facebook-Seite für die Fußball-Fans sowohl im Stadion als auch im Internet ausschlaggebend ist, ist fraglich. Seine Mannschaft sucht man sich ja nicht so einfach aus…

Der FC St. Pauli läge heute übrigens mit knappen 240.000 Fans auf Platz 7 der Facebook-Tabelle zwischen Köln und Stuttgart.

Partizipation 2.0

Partizipation 2.0 (c) iStockphoto

Partizipation 2.0 (c) iStockphoto

Unsere Kommunikation befindet sich in einem immer schnelleren Wandel. Vor allem das Internet bestimmt zunehmend, wie wir die Welt sehen. Aktuelle Trends dabei sind die steigende mobile Nutzung des Internets über Mobiltelefone und Smartphones sowie die zunehmende Verbreitung von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder studiVZ, vor allem in der jungen Altersgruppe ab 10 Jahren.

Welche Auswirkungen hat dieser Wandel auf unsere Gesellschaften? Während die einen bereits mit Blick auf Ägypten oder den Iran von Facebook- bzw. Twitter-Revolutionen sprechen, sehen andere im Web 2.0 lediglich einen Bazar der Banalitäten – und noch dazu ein Risiko für persönliche Daten.

Doch die technischen Neuerungen verändern nicht nur die Kommunikationswege, sondern auch die Art und Weise, wie wir kommunizieren. Während die klassische „one-to-many” Massen-Kommunikation überwiegend mono-direktional, also nicht rückkanalfähig war, bietet das Web 2.0 Interaktivität und Anschlussfähigkeit und eröffnet neue Partizipationsmöglichkeiten.

Social Media verändern nicht nur den persönlichen Austausch, sondern auch die Kommunikation von Institutionen, Unternehmen, Marken, Verbänden und Parteien. Was früher ein E-Mail-Newsletter war, sind heute zunehmend die sozialen Netzwerke. So sind beispielsweise alle großen Parteien und viele Politiker, aber auch Vereine, Jugendverbände oder gemeinnützige Institutionen bei Facebook vertreten und werden tausendfach „gemocht“. Spitzenreiter ist hierbei US-Präsident Obama, dessen Facebook-Meldungen von über 18 Millionen Nutzern verfolgt werden – und der damit irgendwo zwischen Lady Gaga und Justin Bieber reüssiert.

Ob auch jenseits dieser eher trivialen Fakten das Web 2.0 Auswirkungen auf demokratische Prozesse und gesellschaftliche Teilhabe – vor allem für die jüngere Generation – hat, soll im Folgenden betrachtet werden.

 

Digital Natives und Social Networks

Für die junge Generation der Digital Natives ist on-line der Normalzustand und das Internet weit mehr als lediglich ein Netzwerk zum Abrufen von Informationen oder Versenden von E-Mails – eine Nutzungsform, die mittlerweile im Übrigen vor allem von den „älteren“ Nutzern jenseits der 35 in Anspruch genommen wird. Für Kinder und Jugendliche ist das Internet heute Spielplatz, Tagebuch, Fotoalbum, ein Ort um Freunde zu treffen, zu flirten oder zu chatten – kurz ein elementarer Bestandteil des alltäglichen Lebens bis hinein in die privatesten Bereiche.

Ein grundlegendes Merkmal des Web 2.0 im Unterschied zu klassischen Medien ist die Produktion von Inhalten durch die Internetnutzer, so genannter User Generated Content. Die Online-Enzyklopädie Wikipedia beinhaltet beispielsweise 13 Millionen Artikel in mehr als 240 Sprachen, die durch die Nutzer selbst erstellt wurden. Zurzeit sind mehr als 1,2 Millionen Artikel allein auf Deutsch verfügbar. Auch andere Angebote des so genannten Web 2.0 lassen die ursprünglichen Grenzen zwischen Sender und Empfänger verschwinden. Der Umfang des von Nutzern auf das Videoportal Youtube hochgeladenen Videomaterials beträgt 24 Stunden – pro Minute. Dazu werden jeden Tag zwei Milliarden Videos abgespielt. In einer beliebigen Stunde wurden 2010 zudem weltweit mehr als 15 Milliarden Twitter-Nachrichten verschickt. Keines dieser Internetangebote existierte im Jahr 2000.

2010 nutzten bereits drei Viertel aller Personen ab zehn Jahren, bei den 16- bis 24-Jährigen sogar 98 Prozent. Bei den Kindern zwischen sechs und 13 Jahren nutzen 57 Prozent das Internet zumindest selten. Und ein Viertel der Sechs- bis 13-Jährigen will laut KIM-Studie nicht mehr auf Computer und Internet verzichten. Und die Affinität zu PC und Onlinediensten nimmt mit dem Alter deutlich zu: Während nur sechs Prozent der jüngsten Kinder (sechs und sieben Jahre) den PC und das Internet als unentbehrlich ansehen, sind es bei den Zwölf- bis 13-Jährigen bereits 41 Prozent. Dabei löst der Computer zunehmend das Fernsehen als wichtigstes Medium ab: Während drei Viertel der Sechs- bis Siebenjährigen nicht auf das Fernsehen verzichten wollen, sind es bei Kindern zwischen zwölf und 13 Jahren nur noch 40 Prozent.

Die Plattform Facebook hat heute weltweit 500 Millionen aktive Nutzer, von denen 200 Millionen sich über mobile Endgeräte, beispielsweise Mobiltelefone oder Tablet PCs wie Apples iPad, einloggen. In Deutschland nutzen jeden Tag mehr als 16 Millionen Menschen Facebook. Der durchschnittliche Facebook-Nutzer ist dabei mit 130 weiteren Personen verknüpft und folgt 80 Gemeinschaftsseiten, Gruppen und Veranstaltungen. Weltweit werden 700 Milliarden Minuten auf Facebook verbracht.

Die Zahlen zeigen dass Social Media weit mehr als nur ein vorrübergehendes Phänomen ist. Das Social Web ändert die Art, wie wir kommunizieren, miteinander in Kontakt treten und zusammen arbeiten. Zudem hat Facebook sein Angebot nach außen geöffnet und durch die Einführung der Open Graph-Schnittstelle internetweit anschlussfähig gemacht. Facebook ist damit mehr als nur ein Angebot im World Wide Web, es eröffnet vielmehr eine neue Internet-Anwendung wie in der Vergangenheit E-Mail oder das Usenet. Mit dem ersten Auftauchen der „Like“- oder „Mögen-“ Buttons außerhalb von Facebook, durch den Geotagging-Dienst Facebook-Places sowie durch Facebook Mail wurde eine neue Infrastruktur begründet, die weit über bisherige Internetplattformen hinausgeht: Facebook wurde zum Eisenbahnnetz des 21. Jahrhunderts, nur dass es statt Personen und Gütern Bilder, Nachrichten, persönliche Profile, Videos, Ortsangaben und eine Vielzahl von anderen Informationen und Applikationen transportiert.

Soziale Netzwerke gehen damit weit über ein elektronisches Poesie-Album hinaus. Sowohl Unternehmensauftritte als auch zivilgesellschaftliche Kampagnen sind heute ohne Facebook-Page oder YouTube-Channel nicht vorstellbar. Auf klassische Webseiten wird zunehmend verzichtet. Dies hat Auswirkungen auf die institutionelle Kommunikation und eröffnet neue Formen der Partizipation, die im Folgenden beispielhaft erläutert werden sollen.

 

Teilen statt Herrschen

Institutionelle Kommunikation im Web 2.0 folgt anderen Regeln als offline oder auch noch im Web 1.0. Institutionen können in den direkten Dialog mit Nutzern eintreten, müssen jedoch auch Kommentare, Fragen oder Bewertungen ernst nehmen und darauf reagieren, nur dann ist neben dem Wechsel des Kommunikationsweges auch ein Wandel in der Qualität der Kommunikation möglich. Offenheit, Authentizität und Dialogbereitschaft sind die Prinzipien, die Institutionen im Social Web verfolgen sollten. Gleichzeitig geben Institutionen dabei jedoch auch einen Teil der Deutungshoheit über ihre Inhalte auf. Alles, was einmal kommuniziert wurde, wird kommentiert, geteilt, weitergeschickt, verlinkt und bewertet. Kommunikation findet zunehmend auf Augenhöhe statt. Dieses Prinzip des „Teilens statt Herrschens“ stellt jede Institution vor die Aufgabe, die eigene Position immer wieder zu überdenken und zu verargumentieren – ob dies Segen oder Fluch ist, möge jeder für sich entscheiden.

Das bloße Veranstalten von Umfragen oder Kommentarfunktionen, auf die keine Anschlusskommunikation folgt, greifen dabei zu kurz und werden von Web 2.0-Nutzern zunehmend kritisch gesehen. Die Nutzer wollen ernst genommen und an Prozessen beteiligt werden.

Eine Nichtbeachtung sozialer Netzwerke wird sich für viele Institutionen in jedem Fall nicht lange durchhalten lassen – denn viele von ihnen kommen auch ohne eigenes Zutun im Web 2.0 vor. Selbst wer keine eigene Web 2.0-Präsenz hat, sollte sich einmal die Mühe machen, YouTube, Qype und Co. nach nutzergenerierten Inhalten über sich selbst zu durchforsten – und wird möglicherweise überrascht sein. Die Frage ist oftmals nicht, ob man im Web 2.0 vorkommt, sondern ob man dabei sein möchte, wenn über einen geredet wird. Für alle Institutionen, die in einen Diskurs eintreten wollen, wird eine Präsenz in den sozialen Netzwerken somit immer wichtiger.

Die Nutzer schaffen es hier, durch eigene Inhalte – über eine bloße Meinungsäußerung hinaus – Diskurse anzustoßen, die auch Rückkopplungen außerhalb der virtuellen Welt haben und von Unternehmen wie Institutionen zunehmend ernst genommen werden. Die Kampagne von Greenpeace wegen der Urwaldrodung zur Palmölgewinnung durch westliche Konzerne ist hierfür nur ein Beispiel.

 

e-Democracy und Citizen 2.0?

Die Debatte über „e-Democracy“ – also die Nutzung des Internet für die demokratische Willensbildung und Mitbestimmung – ist so alt wie das Internet selbst, ohne jedoch, dass sich daraus wirklich neue Herrschafts- oder Regierungsformen entwickelt haben. Oftmals haben sich entsprechende Diskussionen in der Einrichtung von Online-Kontaktformularen oder – wie in Estland – im eVoting, also der elektronischen Stimmenabgabe über das Internet, erschöpft. Wirkliche Neuerungen in der Art und Weise, wie die demokratische Willensbildung stattfindet, haben sich darüber hinaus hingegen bisher kaum ergeben.

Partizipation im Internet bewegt sich damit irgendwo zwischen dem bloßen Äußern einer Meinung und direkt-demokratischen Elementen. Während bei ersterem die Frage nach der Anschlussmöglichkeit und der Rückwirkung in demokratische Entscheidungsprozesse im Raum steht, stellen sich direkt-demokratische Elemente problematisch dar, solange nicht technische und gesellschaftliche Instrumente geschaffen sind, die eine freie, gleiche, geheime und direkte Beteiligung ermöglichen.

Es ist dabei Aufgabe der Politik, Partizipation im Internet zu ermöglichen und beispielsweise in Online-Konsultationen Anregungen, Meinungen und Empfehlungen im politischen Entscheidungsprozess zu berücksichtigen, ohne dabei der lautesten Stimme oder einer internetaffinen Minderheit zu viel Gewicht einzuräumen. Bis es dazu kommt ist die Ausgestaltung der Partizipation im Internet ein Diskurs, der vor allem auch dort – im Internet – geführt wird. Die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages als „Beteiligungsexperiment“ ist nur ein Forum, auf dem diese Debatte stattfindet.

Bei aller Diskussion ist jedoch die Frage bis heute nicht beantwortet, wie tiefgreifend die digitale Netzkultur und der „Citizen 2.0“ die Gesellschaft und das politisches System tatsächlich umwälzen wird. Offensichtlich ist jedoch, dass die “digitale Öffentlichkeit” keinen Gegenentwurf zur „realen Welt“ darstellt, sondern sich vielmehr auf die oben beschriebene zunehmende gegenseitige Durchdringung von Gesellschaft und Internet bezieht. Auch ob das Web 2.0 die Gesamtzahl der an einer politischen Beteiligung interessierten Bürger erhöht, ist jedoch nach wie vor offen. Skeptiker warnen dabei davor, das Web 2.0 für die politische Beteiligung mit Erwartungen zu überfrachten.

Auch ist das Internet nicht per se demokratisch. Aber es verändert unsere Kommunikation und ermöglicht neue Formen der Partizipation und des politischen Diskurses. Beispiele aus aller Welt – man denke an den Iran, Tunesien oder Libyen – zeigen, dass das Internet ein machtvolles Instrument in der demokratischen Teilhabe sein kann, jedoch auch, dass es alleine noch kein Garant für Meinungsfreiheit und die Abwesenheit von Zensur ist.

Auch das Internet als solches ist nicht vor Zensur gefeit, wie beispielsweise staatliche Eingriffe in China oder Saudi-Arabien zeigen. Das Internet, so wie wir es kennen, ist das Produkt einer demokratischen Gesellschaft und funktioniert nur, wenn neben den technischen auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen dies zulassen. Der freie Austausch von Meinungen ist einer der Grundpfeiler von demokratischen und zivilen Gesellschaften.

Die oben beschriebenen neuen Formen der Interaktivität und Anschlussfähigkeit, die das Web 2.0 bietet, schlagen bei aller Skepsis dennoch ein neues Kapitel der demokratischen Partizipation auf, auch wenn bestehende Staats- und Verwaltungsstrukturen sicherlich nicht überflüssig werden. Aus demokratie-theoretischer Sicht stellt sich zudem die Frage, ob die mögliche Partizipation im Internet die Demokratie in jedem Fall stärkt. Fraglich ist dies zumindest immer dort, wo das Prinzip der Gleichheit der Stimme nicht gewährleistet wird oder die demokratische Legitimation von Akteuren außerhalb bestehender gewählter Institutionen hinterfragt werden muss.

Dirk Kurbjuweit, der im SPIEGEL mit dem Ausdruck „Wutbürger“ das Wort des Jahres 2010 prägte, spricht von der Gefahr, dass beiseitegeschoben werde, was das Bürgertum immer ausgemacht habe: „Verantwortlichkeit, nicht nur das Eigene und das Jetzt im Blick zu haben, sondern auch das Allgemeine und das Morgen.“ Der „Wutbürger“ vergesse zudem, dass er die Demokratie trage. Es spiele keine Rolle mehr, dass ein Projekt beispielsweise in einem langen Prozess durch alle demokratischen Instanzen gegangen ist: „Der Wutbürger hat das Gefühl, Mehrheit zu sein und die Lage besser beurteilen zu können als die Politik. Er macht sich zur letzten Instanz und hebelt dabei das gesamte System aus.“ Viele der entsprechenden Protestveranstaltungen in Deutschland und weltweit wären in der jüngeren Zeit ohne soziale Netzwerke und das Web 2.0 in diesem Ausmaße nicht möglich gewesen.

Das Web 2.0 bietet jedoch auch eine ganze Reihe von Partizipationsmöglichkeiten, um bestehende Strukturen zu beeinflussen und an sie anzuschließen, auch ohne dass dadurch gleich demokratische Prozesse übergangen werden. Nie war es einfacher, für seinen Zweck die Initiative zu ergreifen, um Mitstreiter zu werben und diese zu finden sowie sich zu organisieren – auch abseits traditioneller Vereine, Verbände und Parteien. Einige dieser Formen, für die das Web 2.0 Voraussetzung ist, sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden.

 

Online Konsultationen

Es gehört zur Good Practice von staatlichen Entscheidungsprozessen, die Öffentlichkeit an diesen zu beteiligen. Sowohl auf nationaler wie auch auf europäischer und internationaler Ebene haben in Stakeholder-Dialogen auch zivilgesellschaftliche Akteure die Möglichkeit, sich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Die gesamte Infrastruktur des Internet baut beispielsweise auf dem Prinzip des „rough consensus, running code“ auf, in dem die Nutzer selbst in sogenannten Requests for Comments technische Mindeststandards definiert haben. Auf Ebene der Vereinten Nationen geschieht dies beispielsweise im Internet Governance Forum (IGF), einem Diskurs über die Ausgestaltung der Zukunft des Internet. Auch wenn vor allem auf europäischer und internationaler Ebene zivilgesellschaftliche Akteure häufig an die Grenzen ihrer personellen und finanziellen Ressourcen stoßen, bieten diese Konsultationen eine konkrete Form der Mitwirkung.

So hat beispielsweise auch die EU-Kommission bereits seit 2002 die Konsultationsplattform „Ihre Stimme in Europa“ im Internet eingerichtet, auf der sich Interessierte über Gesetzesvorhaben informieren und einbringen können.

Für Deutschland hat die Bertelsmann-Stiftung einen Leitfaden für Online-Konsultationen entwickelt, der Teilhabe und Mitmachen als die zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sieht. Der Leitfaden bietet einen Überblick über die Online-Beteiligung in Deutschland sowie aktuelle Entwicklungen und zentrale Anwendungsfelder und betrachtet unter anderem Fragen zum Nutzen von Konsultationen und wie das Internet Beteiligung unterstützen kann.

Der Leitfaden sieht in der Entwicklung digitaler Kommunikationsmedien eine vielversprechende Möglichkeit, die Bürgerinnen und Bürger mit vertretbarem Aufwand zu erreichen, ihre Meinungen und Erfahrungen einzuholen und über notwendige Maßnahmen mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

Allen voran setzten zunehmend Kommunen das Internet als Medium ein, um ihre Bürger an der Diskussion zu aktuellen Themen wie Flächennutzung, Bauvorhaben, Familienpolitik, Umweltschutz, Lärmbegrenzung, Gestaltung eines Leitbildes oder auch Haushaltsplanung zu beteiligen.

Bei der hohen Internetpenetration in Deutschland ist zwar davon auszugehen, dass die Mehrheit der an einer Beteiligung interessierten Bürgerinnen und Bürgern auch die Möglichkeit hat, sich einzubringen. Dennoch ist jedoch auch die Grenze von Konsultationen klar zu nennen: „Sie können – zumindest bei derzeit erreichbaren Teilnehmerzahlen – keine repräsentativen Studien ersetzen. Konsultationen, Gutachten und empirische Studien stehen daher nicht zueinander in Konkurrenz, sondern ergänzen sich zu einem umfassenden Gesamtbild, auf Grundlage dessen Entscheidungen sicher getroffen werden können“, so der Leitfaden.

So will beispielsweise der „Dialog Internet“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend solcherart online und in Präsenzveranstaltungen sowie zeitgleich in „dezentralen“ Diskussionen in den sozialen Netzwerken schülerVZ und Facebook in einem transparenten und offenen, gemeinsamen Prozess von Experten und Interessierten Vorschläge zu den Chancen und Risiken der technischen Entwicklungen in der Informationsgesellschaft erarbeiten. Über allem steht die Frage: „Wie sieht eine zeitgemäße Kinder- und Jugendpolitik für die digitale Welt aus?“.

In einem Expertenbeitrag beschreibt unter anderem Michael Scholl, Referent für Medien des Deutschen Bundesjugendrings, einige Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit „tatsächlich Teilhabe und Beteiligung drin sind, wenn Partizipation drauf steht“.

Unter anderem müssten Entscheidungen und Ziele transparent sein, Kinder und Jugendliche über ihre demokratischen Strukturen selbst bestimmen und die Ergebnisse nachvollziehen können, zwischen Planung und Umsetzung ein enger zeitlicher Zusammenhang bestehen und nicht zuletzt der Transfer der Ergebnisse in Entscheidungsprozesse von Politik und Verwaltung gelingen.

In insgesamt drei Phasen werden noch bis zum Sommer 2011 im „Dialog Internet“ Vorschläge und Kommentare der registrierten Nutzer gesammelt – inwieweit die Ergebnisse dann in die Arbeit des Ministeriums und der Behörden oder gar den Gesetzgebungsprozess einfließen, also der Transfer gelingt, bleibt abzuwarten.

Zudem kann eine Online-Beteiligung wie oben dargelegt, keine direkt-demokratischen Elemente enthalten, sondern immer nur dem Austausch sowie einer möglichst breiten Mitsprache- und Teilhabemöglichkeit dienen, die dann in bestehende Entscheidungsprozesse einfließen. Nur so ist eine sinnvolle Partizipation, die die Beteiligten ernst nimmt und sinnvolle Anschlussmöglichkeiten bietet. Dies bleibt, bei allen Neuerungen der Informationsgesellschaft, Aufgabe der Politik.

 

Crowdsourcing und Social Entrepreneurs

Gerade das Web 2.0 bietet jedoch eine Reihe weiterer Möglichkeiten, auch außerhalb existierender Strukturen sein Anliegen voran zu treiben. Wikis ermöglichen die Zusammenarbeit jenseits von Institutionen. Mit Facebook Causes und weiteren Online-Portalen stehen zudem jedem – also nicht nur den Organisationen selbst – Instrumente zur Verfügung, für gemeinnützige Projekte online Spenden einzuwerben.

Crowdsourcing und Crowdfunding ermöglichen das reale Sammeln von Arbeitskraft oder Kapital in der virtuellen Welt und somit die konkrete Beteiligung an Projekten, die ohne die Mittel des Web 2.0 nicht oder nur unter erheblichen Aufwand möglich gewesen wäre. Inwieweit solcherlei Projekte in einer gesellschaftlichen Teilhabe münden, hängt vom Einzelfall ab. Auch der „Dialog Internet“ bedient sich in diesem Sinne der Methoden des Crowdsourcing.

Der Begriff Crowdsourcing wurde im Jahr 2006 erstmals im US-Magazin Wired eingeführt, um das Phänomen zu beschreiben, dass nach der massenhaften Verfügbarkeit von Digitalkameras Online Fotodatenbanken im Begriff waren, traditionellen Fotographen das Geschäftsmodell zu rauben. Heute versteht man unter Crowdsourcing die – meist unentgeltliche – Kollaboration verschiedener Nutzer an einem Projekt. Wikipedia ist hierfür sicherlich das beste Beispiel. Beim Crowdfunding hingegen wird versucht, Geld – entweder in der Form von Spenden oder als Risikokapital – auch außerhalb bestehender Banksysteme einzuwerben.

Kampagnen bekommen dank sozialer Netzwerke eine neue Dynamik. Beispielsweise die Proteste gegen den Umbau des Stuttgarter Bahnhofes wären ohne die Koordination und Kommunikation über Twitter, Facebook und YouTube nicht möglich gewesen. Auch Greenpeace hat mit Green Action eine „Community für alle, die aktiven Umweltschutz leisten wollen“, errichtet, die damit wirbt: „Auf GreenAction findest du Mitstreiter, mit denen du dich verbünden und vernetzen kannst. So wird aus einer Stimme ein lauter Chor. Mach mit!“

Ein anderes Beispiel ist das „Netz gegen Nazis“, das Web 2.0-Elemente nutzt, um Demokratie, Toleranz und Pluralismus in der Gesellschaft zu fördern, unter anderem durch eine Präsenz auf allen gängigen sozialen Netzwerken oder die Möglichkeit zur Online-Diskussion und –Kollaboration. Auch die Vermittlung von Medienkompetenz für das Web 2.0 gehört zur Agenda des Netzwerkes.

Ein gänzlich anderes Phänomen beschreiben die Begriffe Social Entrepreneurship oder soziales Unternehmertum für kommerzielle Aktivitäten, die neben dem ökonomischen Erhalt auch ein gemeinnütziges oder gesellschaftliches Ziel verfolgen. Anders als gemeinnützige spendenfinanzierte Organisationen sind diese Social Ventures nicht (nur) auf Spenden angewiesen, sondern versuchen, das für das gesellschaftliche Ziel notwendige Kapital selbst zu erwirtschaften und gleichzeitig durch das unternehmerische Handeln selbst dieses Ziel zu erreichen.

Social Ventures gab es auch schon vor dem Web 2.0, dieses ist jedoch auf zwei Arten hilfreich: Zum einen ermöglicht es, online Kapital einzuwerben und sich zu vernetzen, zum anderen macht das Web 2.0 manche Geschäftsmodelle erst möglich. YouTube ermöglicht beispielsweise Sprachkurse als Social Venture mit Lehrenden aus Entwicklungsländern. So bietet die Plattform Glovico, die sich selbst als „online Fairtrade-Sprachschule“ bezeichnet, ein Modell an, von dem Sprachschüler durch Muttersprachler als Lehrer und diese wiederum durch die Schaffung einer Einnahmequelle in ihren Heimatländern profitieren. Das Projekt wurde 2011 durch die Initiative „Deutschland Land der Ideen“ ausgezeichnet.

 

Anonyme Partizipation?

All diesen Partizipations-Formen ist gemein, dass sie ohne das Web 2.0 nicht möglich wären, sich gleichzeitig aber nicht ausschließlich auf die virtuelle Welt beschränken, sondern Rückwirkungen auf die Gesellschaft haben.

Gleichzeitig zeigen Projekte wie GuttenPlag oder WikiLeaks, dass die Partizipation nicht immer zuordenbar und rechenschaftlich ist, sondern auch aus der Anonymität heraus geschehen kann – ohne an dieser Stelle den Zweck und die gewählten Mittel beurteilen zu wollen. Der deutsche Gesetzgeber hat mit der Impressumspflicht im Telemediengesetz versucht, dieser Form der Anonymität einen Riegel vorzuschieben, was angesichts der globalen Struktur des Internet jedoch nur bedingt möglich ist.

Eine weitere Frage, die sich stellt, ist, ob Partizipation im Web 2.0 immer demokratischen Prinzipien entspricht, oder nicht an sich auch undemokratisch sein kann. Wo es auf die bloße Meinung oder den längeren Atem in der Diskussion ankommt, setzt sich oftmals nicht ein demokratisch entwickelter Kompromiss durch.

Angeregt durch einen erfundenen zusätzlichen Vornamen im Wikipedia-Artikel zum damaligen Wirtschaftsminister von Guttenberg hat sich an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt an der Oder die Initiative Wiki Watch gegründet. Sie hat sich zur Aufgabe gemacht, solcherlei Fehlentwicklungen bei Wikipedia aufzuzeigen und die Diskussionen bei Wikipedia transparent zu machen. Dazu werden den Nutzern Kriterien zur Beurteilung der Qualität von einzelnen Wikipedia-Artikeln an die Hand gegeben. Die Plattform bedient sich dabei statistischer Daten, die von Wikipedia selbst zur Verfügung gestellt werden. Auch hier generiert sich die kritische Begleitung von Entwicklungen im Web 2.0 aus den Mitteln des Web 2.0 selbst.

 

Medienkompetenz 2.0

Abgesehen von der notwendigen rechtlichen Diskussion muss es jedoch auch einen medienethischen Diskurs um die Ausgestaltung der Partizipation online geben. Hierbei darf auch ein anderer Aspekt der Nutzung von neuen Medien nicht vernachlässigt werden, nämlich die Vermittlung von Medienkompetenz.

Neben der Schule kommt hierbei auch anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendbildung eine zunehmend wichtigere Aufgabe zu, der in weiten Bereichen bereits mit einer Vielzahl von Projekten und Handreichungen begegnet wird. Das Web 2.0 ist hierbei zugleich Teil des Problems und der Lösung. Genau dort, wo beispielsweise Kinder und Jugendliche sich alltäglichen medienethischen Problemen gegenüber gestellt sehen, wird auch versucht, Lösungen aufzuzeigen und Hilfestellungen zu geben. Initiativen wie Juuuport, SCHAU HIN! oder die EU-finanzierte Webseite Klicksafe sind in vielen sozialen Netzwerken vertreten. Auch Veröffentlichungen wie „Scout – das Magazin für Medienkompetenz“ der norddeutschen Landesmedienanstalt sollen informieren, Denkanstöße geben und aufklären.

Dabei kommt es nicht nur auf den Umgang mit neuen Technologien an, sondern auch um den Umgang mit Inhalten und die Ausgestaltung neuer Kommunikationsmöglichkeiten. Wo keine professions- oder institutionsethischen Leitfäden wie beispielsweise der Pressekodex des Deutschen Presserates bestehen, wie etwa bei Bloggern, sind die Nutzer gefragt, eigene Kodizes zu entwickeln. Zum user generated content gesellen sich user generated ethics. In unserer heutigen Mediengesellschaft wird auch Medienkompetenz zunehmend Gesellschaftskompetenz.

 

Autor: Christian Möller, theinformationsociety.org.

Dies ist eine leicht überarbeitete Fassung des Artikels “Politische Beteiligung in der digitalen Gesellschaft”, der zuerst in der Zeitschrift „Jugendpolitik. Fachzeitschrift des Deutschen Bundesjugendrings“ (Ausgabe 1/2011, 37. Jahrgang) erschienen ist.


 

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt: Mobile Internetnutzung über das Handy 2010 stark gestiegen. Pressemitteilung Nr.060 vom 14.02.2011. <http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2011/02/PD11__060__63931>
  • Marc Prensky: Digital Natives, Digital Immigrants. In: On The Horizon, ISSN 1074-8121, MCB University Press, Vol. 9 No. 5, Oktober 2001. <http://www.marcprensky.com/writing/Prensky%20-%20Digital%20Natives,%20Digital%20Immigrants%20-%20Part1.pdf>
  • Comescore Date Mine (2011) E-mail still Popular Among the Older Generation in Europe. 28. Februar 2011 <http://www.comscoredatamine.com/2011/02/e-mail-still-popular-among-the-older-generation/>
  • Vgl. Wikipedia. (2009, September 20). In Wikipedia, The Free Encyclopedia. <http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia&oldid=315186039>
  • Wiki Watch. <http://www.wiki-watch.de/>
  • YouTube: Fact Sheet. <http://www.youtube.com/t/fact_sheet
  • Twitter: Stats. <http://twitter.com/#!/twit_stats>
  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest: KIM-Studie 2010 <www.mpfs.de>
  • Facebook: Statistics. <http://www.facebook.com/press/info.php?statistics>
  • Facebook Marketing: Facebook Nutzerdaten Deutschland (Stand 20.03.2011) <http://facebookmarketing.de/userdata/>
  • Greenpeace: Meilenstein: Palmölgigant verspricht Stopp der Urwaldzerstörung. 09.02.2011. <http://www.greenpeace.de/themen/waelder/nachrichten/artikel/meilenstein_palmoelgigant_verspricht_stopp_der_urwaldzerstoerung/>
  • Siehe unter anderem: Steffen Wenzel: Die demokratische Gesellschaft der Zukunft. In: politik-digital.de. 11/1999. <http://politik-digital.de/archiv/hintergrund/zukunft.shtml>
  • Deutscher Bundestag: Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft. <http://www.bundestag.de/internetenquete/>
  • Böll Stiftung: Citizen 2.0: Gesellschaftliche Teilhabe im Netz kein Selbstläufer. 03.05.2010. <http://www.boell.de/demokratie/foerderung/demokratiefoerderung-citizen20-digitale-gesellschaft-demokratie-partizipation-9124.html>
  • Möller, Christian/Arnaud Amouroux (Hrsg.) (2004) The Media Freedom Internet Cookbook. Wien: OSZE.
  • Dirk Kurbjuweit (2010) Der Wutbürger. In: Der Spiegel 41/2010.
  • Möller, Christian/Amouroux, Arnaud (2007) Governing the Internet. Freedom and Regulation in the OSCE Region. Vienna: OSCE.
  • Internet Governance Forum (IGF) Homepage. <www.intgovforum.org>
  • Europäische Kommission: Ihre Stimme in Europa. <http://ec.europa.eu/yourvoice/consultations/index_de.htm>
  • Bertelsmann Stiftung Leitfaden Online-Konsultation. Praxisempfehlungen für die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger über das Internet <www.online-konsultation.de/leitfaden>
  • Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dialog Internet <http://www.dialog-internet.de/>
  • Michael Scholl: Bedingungen für Partizipation – auch im Netz. Dialog Internet. 28.02.2011. <http://www.dialog-internet.de/forum/blogPost/showBlogContent/111.page>
  • Jeff Howe: The Rise of Crowdsourcing. In: Wired. Issue 14.06 – June 2006. <http://www.wired.com/wired/archive/14.06/crowds.html>
  • Greenpeace: Green Action. <http://www.greenaction.de/>
  • Netz-gegen-Nazis.de <http://www.netz-gegen-nazis.de/>
  • Deutschland Land der Ideen: Preisträger 2011: Glovico – Die Online-Fairtrade-Sprachschule. <http://www.land-der-ideen.de/de/node/3443>
  • Christian Möller: Wikipedia: On Watch. In: infsocgblog.org. 10.01.2011. <http://www.infsocblog.org/2011/01/wikipedia-on-watch/>
  • Wiki Watch <www.wiki-watch.de>
  • Juuport. <http://www.juuuport.de/>
  • SCHAU HIN! <http://schau-hin.info/>
  • Klicksafe. <https://www.klicksafe.de/>
  • Medienanstalt Hamburg Schleswig-Holstein. Scout Magazin. <http://www.ma-hsh.de/aktuelles-publikationen/publikationen/scout-magazin/>

First Amendment Freedom Fighters?

by Christian Möller

One rather neglected chapter in the history of the Internet is the history of hackers. Basically hackers are computer specialists, mostly young people, with the goal to find security holes in computer systems, intrude in remote networks and then either vanish without a trace or claim the fame for their efforts. And whereas facts are scarce, myths, gossip and netlore bloom on the Internet. But while historiography on this topic is just aborning, Hollywood has already discovered computers and networks as a source of various plots from love stories to action thrillers, and some films even explicitly pick out hacking as their major theme.

 

Waitress: “You are reading about cyber-terrorists?”
Mitnick: “First Amendment Freedom Fighters!”
Waitress: “I think, this is like the Contras and the
Sandinists, it’s all a perspective thing.”
Mitnick: “Well, anything anti Big Brother is
probably good, don’t you think?”
Waitress: “Yeah, I have to agree with that.”
(Takedown, Joe Chapelle, USA 2000)

Hacking History.
In 1972 Cap’n Crunch, whose real name is John T. Draper, got to be known as the first phreaker (the word is a combination of phone and freak) because he discovered that he could command the phone system of Ma Bell to connect a call by playing a tune on a toy whistle he found in a box of Cap’n Crunch cereals.

First Amendment Freedom Fighters?

Although Draper eventually was sentenced for fraud by wire, phreaking and blueboxing – basically the manipulation of telephone systems with a little box that generates tones just like the Cap’n Crunch toy whistle – remained popular worldwide until the late 1990s when phone networks became digitized and more secure. While part of the blueboxing community just used their skills for late night chats with overseas friends or to call a random phone booth on the other side of the Atlantic, soon phreaking was interwoven to some extent with phone and credit card fraud, forming the criminal part of the transatlantic mailboxing scene.

The transition from the analogue to the digital world meant that now not only the phone networks themselves could be manipulated but, equipped with a computer and a modem, it also became possible to use the phone lines to access remote computers. One of the world’s most famous hackers, Kevin D. Mitnick, for example started to (mis-)use his computing skills in the early 1980s, first of all for pranks with telecommunication companies.

Yet soon he was reported for breaking into the Pentagon’s NORAD computer through the ARPAnet, the forerunner of the Internet, and was eventually arrested five times throughout the 1980s. When in 1992 he was wanted for violation of his probation terms he vanished as the FBI raided his place to arrest him and eluded an FBI manhunt for more than two years.

During this time Mitnick again gained access to confidential data of companies and offices like the Department for Motor Vehicles (DMV) as well as to telephone and cellular networks, eavesdropping FBI phone calls to stay one step ahead of his persecutors. He also stole thousands of credit card numbers but never used a single one of them.

With the help of another young computer expert, Tsutomu Shimomura, whose private computer Mitnick captured at Christmas in 1994 and who took up the personal feud, the FBI finally managed to arrest 31-year old Mitnick after a cross-country pursuit in 1995. He was released from prison in January 2000, and his last probation ended in January 2003. The story of Mitnick was motivation for numerous websites, bumper stickers (“Free Kevin!”) and even a movie, Takedown (Joe Chapelle, USA 2000), from which the quote at the beginning of this article was taken.

Another startling story is the one about the German hacker Karl Koch, alias Hagbard Celine, who vanished on 23 May 1989 and later was found dead in a forest near his home town of Hannover. Police investigation said it was suicide. In the 1980s Koch hacked into a computer in the US and sold the information to the Russian intelligence service, the KGB.

Later on he was caught in a net woven by journalists scenting a scoop, state police accusing him of espionage and mental problems caused by the excessive use of drugs. This case, too, inspired a movie (23, Hans-Christian Schmid, D 1998) along with a number of conspiracy theories.

However, while part of the net community celebrates these hackers as heroes, modern Robin Hoods fooling the mighty and as fighters for freedom of expression, government officials tend to treat them as run-of-the-mill criminals. Or, as some critics say, courts even want to make an example of each hacker trial to get the message through to their comrades and scare them off, because they target the very economic core of the Internet: the normal user’s trust in security and integrity of the WWW.

Hacking goes Hollywood.
In spite (or just because) of the ongoing discussion between proponents and adversaries of the hacking scene, movies are made that romanticize actual events – like Takedown does with the Mitnick case – or make up whole new stories. Naturally a movie is adopting a stance to the topic it deals with, intentionally or not. So, what answers do these films give to the question, of whether hacking is an honorable job, done by advocates of the idea of freedom of expression, a harmless prank or simply a crime.

First of all, computers and decentralized networks generally are not a new topic in television and cinema. As early as 1973 the German filmmaker Rainer Werner Fassbinder directed Die Welt am Draht (World on a Wire, D 1973), a movie about a (fictional) computer program, Simulacron, which is able to simulate a full featured reality. In 1983 the world was on the brink of nuclear war, caused by an underage hacker who broke into NORAD’s main computer, mistaking real-time war room planning for a video game. At least this is the story told to us by the movie Wargames (USA 1983, John Badham).

But although hacking is used as part of the plot for this story, it is rather a film against the madness of thermonuclear warfare. Hacking is just used to trigger the story and in the end to save the world by teaching the computer that “the only winning move is not to play”. Not so much of a fight for freedom of expression but rather a plea against placing decisions in the hands of computers.

Depicting the Invisible.
Another kind of war is described by Cosmo, played by Ben Kingsley, one of the main characters in Sneakers (Phil Alden Robinson, USA 1992):

“There is a war out there, old friend, a world war. And it’s not about who’s got the most bullets. It’s about who controls the information: what we see and hear, how we work, what we think. It’s all about the information.”

The film, produced by the same people who did Wargames nine years earlier, now focuses not only on computer networks as a new way of communication but on the ability to access and exploit information. Information means control. And you need technical skills and knowledge to access this information.

The film does not criticize this knowledge as such, but the way it is used. While shifting money from the bank accounts of the Republican Party to the Black Panthers is regarded as a prank, the proprietary use of information technology is condemned, because it would lead to a dangerous imbalance of information “haves” and information “have-nots”.

Anyway, movies by nature have a problem to depict the exchange of information as such. Whereas a laptop or a computer terminal can be added easily to the mis en scène it is difficult to illustrate the work of a computer virus or hacker attack.

In Sneakers quite a number of McGuffin-like black boxes are used to translate cryptography and algorithms into Hollywood pictures. Just connecting one of the many black boxes – oblivious to problems with different interfaces of course – to either a CCTV camera or a bank’s mainframe enables you to gain control over the respective system. If there is a password required a large splash screen will pop up, asking you for the password and answering either with “access granted” or “access denied” in exactly the way the normal work station in your office won’t.

The 1995 movie Hackers (Iain Softley, USA 1995) chooses a new way of depicting the flow of data in computer networks and of visualizing computer networks. Needless to say that though these images are colourful and edited in quick succession they have nothing to do with reality.

Another fact far removed from real life is that the ability to type fast seems to be the basic skill which makes for the perfect hacker, as can be seen also years later, for example in a very explicit scene in Swordfish (Dominic Sena, USA 2001).

Hacker Manifesto.
In opposition to so-called crackers, script kiddies and other firebrands, hackers stress that they have their own ethical and moral standards, obligation and sense of duty. They claim that they are just seeking to satisfy their intellectual curiosity, are not trying to get personal benefit from fraud, that they harm no one but instead are working to find security holes and to make the Internet a safer place.

While this is not easy to see in the cases of Kevin Mitnick or Karl Koch there are some hackers that became decisive interceders for the right of freedom of expression and privacy. The late Wau Holland, cofounder of the Chaos Computer Club, is one example.

From the very beginning, hackers surrounded themselves with the air of exclusiveness and secrecy, paired with a considerable amount of paranoia. In this way they built on their own myths like in the Hacker Manifesto, written by Mentor and issued in Phrack on 8 January 1986, that gives some impression of the hackers’ self-image as “computer samurai” or “keyboard cowboys”:

“[…] This is our world now… the world of the electron and the switch, the beauty of the baud. We make use of a service already existing without paying for what could be dirt-cheap if it wasn’t run by profiteering gluttons, and you call us criminals. We explore … and you call us criminals. We seek after knowledge … and you call us criminals. We exist without skin color, without nationality, without religious bias … and you call us criminals. You build atomic bombs, you wage wars, you murder, cheat, and lie to us and try to make us believe it’s for our own good, yet we’re the criminals.

Yes, I am a criminal. My crime is that of curiosity. My crime is that of judging people by what they say and think, not what they look like. My crime is that of outsmarting you, something that you will never forgive me for.
I am a hacker, and this is my manifesto. You may stop this individual, but you can’t stop us all … after all, we’re all alike.”

The film Hackers also establishes a new way of describing the hacking scene as a part of the youth culture with its own lifestyle and attitude. A clear segregation can be seen between the two semantic rooms of the classic understanding of crime and justice.

This is represented by FBI agents and business people on the one hand, and on the other by the hacker gang, in which people have pseudonyms like Crash Override and Cereal Killer, which stands for the emerging new world of computer networks and information technologies with their own laws and values. For example, a strong position against all kinds of hacking attempts for example is represented by the FBI agents, who refer to the Hacker Manifesto as “commi bullshit”:

“Hackers penetrate and ravage delicate public and private computer systems, infecting them with viruses and stealing sensitive materials for their own interest. These people are terrorists.”

The hackers of course have a different understanding of what they do and finally succeed in proving their innocence by disabling a dangerous computer virus in a concerted action by the global hacking community.

Again the best hackers enjoy the highest status and court indictments even heighten their prestige. But while the hackers that are described in this movie are oblivious to laws and police they do have their own ethical standards: triggering the school’s sprinkler for fun is OK, sinking an oil tanker to blackmail a company isn’t.

Soon the whole plot of the movie comes back to the fight of good against evil, which is transferred from the scenery of the Wild West to modern computer networks.

Takedown, the movie based on a book by Kevin Mitnick’s opponent Shimomura, at first glance presents an unbiased view of the hunt for Mitnick from the time when he violated the terms of probation until his arrest in 1995. The ambiguity of hacking is described in a conversation between Mitnick and a waitress he meets in a bar:

Mitnick: “I think the First Amendment is pretty significant. It has value.”
Waitress: “I’m not quite sure what hackers breaking into the DMV or whatever has to do with the First Amendment.”
Mitnick: “Well, I think the public has a right to know what’s going on. With everything. I mean, who you gonna trust? You gotta trust Big Brother, you gotta trust corporations. Think they’re looking out for you. Think of hacking as a public service.”
Waitress: “If I knew all hackers were altruistic, I would.”

Taking a closer look, however, the position taken by the film can soon be recognized. While Mitnick is described as a shy computer genius Shimomura is depicted as a keen show-off who enjoys being in the spotlight of congress hearings and media interest. But he also keeps back information for his own advantage instead of making this public as hackers should.

Again, as seen before, the story soon boils down to the fight of two individuals. Rather than bargaining the pros and cons of hacking the film judges the personal integrity of its characters: hackers can be a watchdog regarding freedom of expression and data protection as long as they stick to their own high moral standards. But once they disobey these standards they will become corrupt and dangerous, as the example of Shimomura shows in this film. Although in the end Mitnick is arrested, the film depicts Shimomura, even though he worked together with police, as the moral loser – from a hacker point of view.

Caught in the Matrix.
The film Matrix (Andy and Larry Wachowski, USA 1999) paints the picture of a world where access to networks is highly restricted and mankind is in fact an organic part of this network without knowing it. All surroundings, friends, jobs, basically the whole of life are just a computerized simulation.

People lack the ability to see more than those in Plato’s cave metaphor. To see the situation clearly from a meta level and to escape the matrix physically, hackers are once again needed, who can freely act in both the digital simulation of the Matrix and the tattered remains of the real world.

Intellectual skills are translated into the ability to move within virtual realities, thus creating a new symbiosis between man and machine. But while Neo and his hacker companions strive to enable people to emerge from their immaturity others try to get back into the comfortable simulation rather than living in the hostile environment of a world dominated by machines. One question that remains is whether we really want to know each and everything, even if it might scare us.

Sapere Aude.
All in all in the films about the computerized world, and especially about hacking, “information” is regarded as one of the most important assets of today. In general the unhindered access to all kinds of information is preached, but often problems arise where there is an imbalance of those who are in possession of information and those who are not.

What is more, people with access to restricted information tend to misuse their knowledge for their own advantage. Or in other words: the danger lies not so much in information as such, no matter how scary it might be, but in the deficiencies of individuals. While at first sight this seems to plead for the unrestricted access to every bit and piece of information for everyone, conversely it could be interpreted that because of the dangers of the human factor there is a sound reason to keep some information well hidden.

In a perfect world there won’t be a need for hackers then, but as the world is far from perfect there must be at least a couple of upright heroes protecting us from the bad guys, who are misusing information. In Hollywood hackers seem to be seen as “keyboard cowboys”. However, they are surely pranksters, sometimes criminals, but whether they are really “first amendment freedom fighters” is a question that has yet to be answered.

This article was first published in the 2003 Yearbook of the OSCE Representative on Freedom of the Media (OSCE 2003, Freedom and Responsibility, pp. 149-157, OSCE: Vienna).