2013 Social Media Guidebook

2013 OSCE Social Media Guidebook

The 2013 Social Media Guidebook explores the potential and the challenges of social media and the right to freedom of expression as new media develop.

The authors Christian Möller, Marissa Moran, Douglas Griffin, Andrei Richter, Anna Kachkaeva, Ross La Jeunesse et al. address contemporary issues affecting journalism and media in general.

It is an assessment of the potential and the challenges of social media and how it relates to the rights of free expression and free media. In articles and specific case studies this Guidebook lays out the field of social media and its effect on journalism.

A summary of the findings is also published in the current edition of IRIS – Legal Observations of the European Audiovisual Observatory (Strasbourg, April 2013, ISBN 978-92-871-7662-2).

The publication is written for journalists,consultants, regulatory officials and undergraduate and graduate students.

A PDF version of the book is available at www.osce.org/fom/99563.

Also available in Russian under www.osce.org/ru/fom/99564.

Printed versions can be obtained free of charge from the Office of the OSCE Representative on Freedom of the Media.

Facebook Timeline

Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast. Und vorletzten.

Nach einiger Vorbereitung hat Facebook nunmehr die Timeline – die neue Profilansicht – für alle Facebbok-Nutzer freigeschaltet. Damit wird auch eine neue Qualität des Stöberns in der Vergangenheit erreicht. In der eigenen und der der Anderen. Eine Darstellung, die man bisher nur von Brangelina & Co. aus der Boulevard-Presse kannte, hält Einzug ins eigene Leben. Zeit also, das digitale Zuhause auszumisten?

Die Timeline verändert bekanntermaßen zunächst einmal die Art und Weise der Darstellung der Nutzerprofile auf Facebook. An die Stelle einer linear chronologischen Darstellung, an der man bisher entlang scrollen konnte, tritt eine bequeme und optisch ansprechende Navigation über die namengebende Zeitachse, Lebensereignisse oder Kategorien wie Freunde, Likes oder Check-ins.

Gleichzeitig geht die Timeline jedoch über eine bloße neue Form der Darstellung hinaus, sie schafft eine neue Qualität der akkumulierten Daten. 1 + 1 sind auf einmal 3. Das Argument, dass die Timeline damit lediglich Informationen neu zusammenstellt, die die Nutzer selbst eingestellt haben und die auch heute schon vorhanden sind, greift zu kurz.

Genauso könnte man behaupten, eine Invers- (also Rückwärts-) Suche, um von einer Telefonnummer auf den Anschlussinhaber zu kommen, sei auch bereits mit Hilfe eines Telefonbuches möglich gewesen. Theoretisch mag dies zwar stimmen, praktisch zeigen sich hier aber die zusätzlichen Möglichkeiten, die sich durch Datenakkumulierung und Sortierung ergeben.

Die Timeline ermöglicht ein völlig neues Facebook-Erlebnis. Vielleicht hatten deswegen manche Kommentatoren den Eindruck, Marc Zuckerberg sei bei der Präsentation seiner eigenen Timeline selbst überrascht gewesen. Facebook hat eine beispielslose Möglichkeit, die Geschichte des eigenen Lebens in einer nie dagewesenen Art zu erzählen – und tut dies.

Zeitmaschine

Mit Schaltflächen für das Jahr, die Auswahl, ob man alle Meldungen oder nur die Highlights sehen möchte, sowie einem Filter mit der man in der Timeline von Freunden Photos, Checkins und andere Elemente auswählen kann, lässt es sich leicht durch Lebensereignisse der Freunde navigieren. Wofür man bis dato gute Freunde Jahre oder Jahrzehnte begleiten musste oder lange Gespräche bei Wein oder Kaffee geführt hat, ist nun per Mausklick ersichtlich – auch für die Zeit, in der man noch gar nicht befreundet war.

Die neue Navigation erlaubt den Sprung direkt in einen bestimmten Monat eines bestimmten Jahres. Facebook ist dabei so freundlich, die Links zu den Monaten, in denen es Statusupdates gab, automatisch zu erstellen. Sowie einen Eintrag für die eigene Geburt – Zeit also, die Kinderbilder zu scannen?

So können Freunde auf einen Klick beispielsweise nicht nur sehen, was ich im Sommer 2008 gemacht habe, sondern sich auch in einer übersichtlichen Kartendarstellung alle Orte ansehen, die ich etwa im August 2008 besucht habe. Oder wie viele Freunde man in diesem Sommer gewonnen hat. Vor allem in Verbindung mit der Kartendarstellung lassen sich erstaunliche Einblicke in das eigene Leben – und eben auch das Leben der Anderen – auf Facebook erlangen.

Nach wie vor ist die alles ist nur möglich, wenn man es seinen Freunden erlaubt. Umso wichtiger, sich anzusehen, was man seinen Freunden zugänglich machen möchte.

In jedem Fall ist ein Daten-Frühjahrsputz, wie Kashmir Hill ihn vorschlägt, sicherlich keine schlechte Idee beim Umstieg auf die Timeline. Zumal eine Rückkehr zur klassischen Profilansicht nach der einmaligen Aktivierung der Timeline nicht möglich ist. Facebook selbst gibt dem Nutzer hierfür sieben Tage nach der Aktivierung.

Daten-Frühjahrsputz

Wenn die Party-Bilder der Abschlussfeier oder die ersten Pinnwand-Flirts mit der jetzigen (oder vorherigen) Freundin, die bis jetzt in den Tiefen des Facebook Profils verborgen waren, auf einen Mausklick plötzlich wieder für alle – damaligen und heutigen Freunde – verfügbar sind, mag manch ein Nutzer sich vielleicht tatsächlich als Kurator seiner eigenen Timeline betätigen.

Die Sicherheitsexperten von F-Secure raten beispielsweise zu drei Dingen vor dem Umstieg auf die Timeline:

  1. Überprüfe Deine Freundschaftseinstellungen – und Deine Freunde
  2. Überprüfe wie Du markiert („tagged“) werden kannst
  3. Überprüfe Deine Apps

Für alle Posts kann man bekanntermaßen eine Privatsphären-Einstellung wählen. Facebook bietet darüber hinaus aber auch noch eine Art Reset-Button, mit dem man alle seine vergangenen Posts auf einen gewissen Nutzerkreis einschränken kann, egal mit welcher Einstellung, diese zum damaligen Zeitpunkt veröffentlicht wurden.

Man findet die Schaltfläche in den Privatsphäre-Einstellungen (zu erreichen über den kleine Pfeil oben rechts) unter dem Eintrag „beschränke das Publikum für ältere Beiträge“. Mit zwei Klicks (es folgt noch eine Sicherheitsabfrage) kann man so die Sichtbarkeit aller bisheriger Posts auf „Nur Freunde“ beschränken.

Diese Einstellung lässt sich global zwar nicht mehr rückgängig machen, man kann aber im Nachhinein alte Posts wieder für weitere Kreise oder individuell festlegen.

Auch ein näherer Blick auf Facebooks aufgebohrte Freundes-Listen, um festzulegen, wer die Anderen sind, die die eigene Timeline sehen können, lohnt sicherlich ebenfalls.

Wer überprüfen möchte, wie viele seiner Freunde er tatsächlich kennt, dem sei der Test „How well do YOU know your Facebook Friends?“ empfohlen. Hiernach erkennt ein Facebook-Nutzer im Durchschnitt nur 73 Prozent seiner Freunde anhand ihrer Profilbilder. Frauen schneiden dabei übrigens besser ab als Männer. Die Empfehlung der Macher des Quizzes? Unfreundlich werden.

Zudem empfiehlt es sich, sich das Menü „Funktionsweise von Markierungen“ (ebenfalls in den Privatsphäre-Einstellungen) vorzunehmen. Um sicherzugehen, dass keine Photos, Beiträge oder Check-ins von einem selbst auf der eigenen Timeline erscheinen, ohne dass man zumindest vorher zugestimmt hat, sollten die Einstellungen wie folgt aussehen:

Ebenfalls mit dem virtuellen Staubtuch sollte man sich den Apps nähern, die sich über die Jahre gesammelt haben, und die teilweise extensiven Zugang auf die eigenen Daten (und die der Freunde) in Anspruch nehmen (Privatsphaere-Einstellungen > Apps und Websites). Viele werden erstaunt sein, wie viele Apps man seit Jahren nutzt bzw. eben nicht mehr nutzt. Dasselbe gilt umgekehrt auch für die Daten, die man Apps von Freunden zugänglich machen möchte.

Activity Log

Schließlich bietet Facebooks neues Activity Log (das nur für einen selbst sichtbar ist) nach Aktivierung der Timeline einen Überblick über alle bisherigen Posts, die in der Timeline erscheinen. Hier kann man für jeden einzelnen Eintrag festlegen, ob er in der eigenen Timeline erscheinen soll oder nicht – oder gar hervorgehoben werden soll. Auch kann man hier alte Einträge ganz löschen oder den Empfängerkreis

Ob die Neuerung der Timeline einem zusagen oder nicht, sollte man am besten selbst ausprobieren. Die Erfahrung zeigt, dass erst das Stöbern in der eigenen Timeline die ganze Dimension der Änderungen vor Augen führt. Die Timeline bietet viele begeisternde Features – macht aber auch eine ständige Pflege und ein Austarieren, wem man was zugänglich machen möchte, notwendig.

Hierfür gibt es bei jedem Eintrag in der Timeline zudem die Möglichkeit, diesen zu featuren, also einzelne Einträge, Fotos oder Videos prominent über die ganze Breite der Timeline hervorzuheben, oder einzelne Posts zu löschen oder editieren.

Und wie gesagt, den Adressatenkreis jederzeit für jeden Eintrag individuell festzulegen. Oder man behält gleich alles für sich.

Das Leben als Album

Schließlich bieten die Privatsphäre-Einstellungen auch die Möglichkeit, Inhalte nur für sich selbst (naja, und für Facebook) zugänglich zu machen und so ein ganz eigenes, visuell ansprechendes und einfach zu navigierendes, interaktives Album seines Lebens anzulegen. Und vielleicht später an die Enkel weiter zu geben.

Solche und weitere Anwendungen für die Timeline sieht auch Charlie White von Mashable, etwa die Darstellung der Geschichte des Familienunternehmens, die Präsentation der „Timeline einer Beziehung“ – statt Diashow – auf der Hochzeit, oder die PR-polierte Timline-Darstellung eines Politikerlebens.

Oder wie wäre es damit, das Aufwachsen seines Kindes, Enkels oder Patenkindes in einer Art und Weise zu dokumentieren, wie es kein klassisches Fotoalbum und kein Blog bislang ermöglicht hat?

Die zukünftigen Verwendungen von Facebooks Timeline sind heute jedenfalls noch nicht abzusehen. Die Vorstellung einer Verknüpfung von Timeline und Facebook Pages und damit die Möglichkeit, verschiedene Timelines für verschiedene Zwecke anzulegen, lässt jedoch die langfristige Entwicklung erahnen.

In jedem Fall begibt sich Facebook mit der Timeline auf eine neue Ebene – und es bleibt spannend, wie die Nutzer diese Änderungen annehmen.

Dies ist eine überarbeitete und ergänzte Version eines Gastbeitrages für allfacebook.de, der ursprünglich unter dem Titel “Facebook Chronik – Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast. Und vorletzten.” dort am 16. Dezember 2011 erschienen ist.

(Photos: allfacebook.de, theinformationsociety.org)

Facebook & Bundesliga

Auch die Mannschaften der Fußball Bundesliga nutzen zunehmend soziale Netzwerke. Zum 8. Spieltag der laufenden Saison an diesem Wochenende hat theinformationsociety.org mal einen Blick auf die Tabelle geworfen – bei Facebook.

Spätestens seit der Saison 2011/2012 sind alle Erstliga-Vereine der Fußball-Bundesliga mit offiziellen Präsenzen auf Facebook vertreten. Tabellenführer ist – wie auch auf dem Platz – der 1. FC Bayern München, gefolgt von Borussia Dortmund und Schalke 04. Für die Platzierung wurde ausschließlich die Zahl der Fans der jeweiligen offiziellen Facebook-Seiten betrachtet. Diese schwanken zwischen mehr als 2 Millionen Fans bei Bayern München und gerade einmal gut 36.000 bei Hoffenheim.

 

Facebook-”Tabellenplatz”

(28.09.2011)

Bundesliga Tabellenplatz

(7. Spieltag)

Zahl der Fans

(28.09.2011)

Verein

1

1

2.179.593

FC Bayern München

2

8

600.357

Borussia
Dortmund

3

5

333.940

FC Schalke 04

4

2

296.541

SV Werder Bremen

5

18

256.418

Hamburger SV

6

10

243.263

1. FC Köln

7

7

208.292

VfB Stuttgart

8

6

114.001

Hannover 96

9

9

113.701

1. FC Nürnberg

10

12

96.518

Hertha BSC

11

15

75.613

1. FC
Kaiserslautern

12

3

74.309

Borussia
Mönchengladbach

13

11

67.961

Bayer 04
Leverkusen

14

13

48.719

VfL
Wolfsburg

15

17

41.949

SC Freiburg

16

16

41.583

FC Augsburg

17

14

40.858

1. FSV Mainz 05

18

4

36.159

1899 Hoffenheim

 

Während bei ähnlichen Untersuchungen in der Vergangenheit manche Teams noch lediglich Facebook-Seiten aufweisen konnten, die offenbar von Fans erstellt wurden, ist heute jede Mannschaft mit einer offiziellen Fanpage bei Facebook vertreten. Doch Aufmachung und Funktionsumfang der Seiten unterscheidet sich deutlich. Zunächst  einmal haben alle Vereine eine Vanity-URL und einen Landing Tab – doch nicht  bei allen funktioniert dieser beim sicheren Browsen über HTTPS.

Einige Seiten nutzen die Facebook Places Funktion – wenn auch mit bescheidenem Erfolg. Selbst die Seite der Münchener kann lediglich 17 Check-ins verzeichnen, der VfB Stuttgart kommt immerhin auf 156 Besuche. Anders sieht dies freilich bei den Stadien selbst aus: Die Imtech Arena verzeichnet -trotz oder wegen des Saisonstarts des HSV- 10.700 Besuche, gegenüber 7.400 Check-ins am Millerntor. Die Rhein-Neckar-Arena des TSG 1899 Hoffenheim hatten bald 5.000 und die Allianz Arena knapp 37.000 Besuche bei Facebook. In welcher Beziehung diese Stadien-Seiten zu den offiziellen Auftritten der Heimmannschaften stehen, ist nicht immer klar ersichtlich.

Darüber hinaus bieten die Vereine verschiedene Services und Apps an, von der Möglichkeit Freunde einzuladen wie beispielsweise die Stuttgarter, bis hin zu einer eigenen Allianz Arena-App bei den Bayern. Links zu Online-Tickets, Mannschaftsaufstellung, Fan-Shops und personalisierten Trikots oder dem Quiz zur Mannschaft komplettieren das Angebot.

FCB bei FacebookBeeindruckend ist in jedem Fall die Steigerung der Zahl der Fans gegenüber dem Ende der Bundesliga-Saison 2009/2010. Der Musik-Blog quu.fm hatte damals eine ähnliche Untersuchung durchgeführt. Bereits seinerzeit hieß der Spitzenreiter Bayern München – und St. Pauli wäre auf dem 3. Platz gelandet, hätten sie zu dieser Zeit schon und noch erstklassig gespielt. Bei der Reihung hingegen gibt es kaum Unterschiede zu heute, wenn man von Dortmund und Schalke absieht, die sich um 5 bzw. 4 Plätze verbessern konnten. Hoffenheim und Stuttgart sind hingegen um -4 bzw. -5 Punkte gefallen.

Eine bemerkenswerte Steigerung der Zahl der Faceboo-Fans können hingegen alle Vereine verzeichnen. Diese liegt bei zwischen knapp 2000 Prozent und immer noch stolzen guten 300 Prozent im Vergleich zu Anfang 2010. In absoluten Zahlen sind dies ein Plus von guten 2 Millionen Fans bei Spitzenreiter Bayern, gefolgt von Dortmund mit 570.000. Das Schlusslicht bildet auch hier Hoffenheim mit knappen 28.000 Fans. Selbst die Vereine, die Tabellenplätze bei Facebook verloren haben, konnten also Fans hinzugewinnen, wobei die Zahlen weit auseinander gehen.

 

Facebook-”Tabellenplatz”

(28.09.2011)

Verein

Fans nach der Saison 2009/2010

Anstieg seit 2009/2010

(in %)

Facebook-Platzierung nach der
Saison 2009/2010

Veränderung des Facebook
“Tabellenplatzes”

seit der Saison 2009/2010

1

FC Bayern München

117.343

1.757

1

0

2

Borussia
Dortmund

28.619

1.998

6

+4

3

FC Schalke 04

19.807

1.586

8

+5

4

SV Werder Bremen

34.013

772

4

0

5

Hamburger SV

55.862

359

2

-3

6

1. FC Köln

28.570

751

7

+1

7

VfB Stuttgart

40.572

413

3

-4

8

Hannover 96

11.497

892

9

+1

9

1. FC Nürnberg

10.500

983

10

+1

10

Hertha BSC

9.734

892

11

+1

11

1. FC
Kaiserslautern

-

-

-

-

12

Borussia
Mönchengladbach

9.025

723

12

0

13

Bayer 04
Leverkusen

6.238

989

15

+1

14

VfL
Wolfsburg

7.097

586

14

0

15

SC Freiburg

4.982

742

16

+1

16

FC Augsburg

-

-

-

-

17

1. FSV Mainz 05

4.738

762

17

0

18

1899 Hoffenheim

8.840

309

13

-5

Der Erfolg der Facebook-Seiten scheint eng mit dem Erfolg der Vereine und der Treue der “echten” Fans verknüpft zu sein. Hoffenheim als relativ junge Mannschaft mit neuem Stadion hat es hier sichtlich schwer, wohingegen Bayern München offenbar besonders durch internationale Auftritte punkten kann, wie sich unter anderem in englischsprachigen Posts zeigt. Inwiefern allerdings die technische Gestaltung der Facebook-Seite für die Fußball-Fans sowohl im Stadion als auch im Internet ausschlaggebend ist, ist fraglich. Seine Mannschaft sucht man sich ja nicht so einfach aus…

Der FC St. Pauli läge heute übrigens mit knappen 240.000 Fans auf Platz 7 der Facebook-Tabelle zwischen Köln und Stuttgart.