Frühjahrsputz für die Filterblase

Facebook

Vorschlag für einen Facebook-Neujahrsputz in Zeiten von Filterblasen und Echokammern:

  1. Auf der Seite https://www.facebook.com/ads/preferences/edit/ findet man alles, was Facebook über einen zu wissen glaubt. Auf dieser Basis werden auch Werbeanzeigen geschaltet oder entschieden, welche Posts von Seiten und Freunden man angezeigt bekommt. Und die Erfassung der Vorlieben geht bis hin zu politischen und religiösen Einstellungen (unter Lifestyle and Culture). Ein wenig beängstigend, aber wenigstens kann man hier seine Vorlieben auch editieren und anpassen.
  2. Auf der Seite https://www.facebook.com/pages/?category=liked findet man alle Seiten, auf denen man im Laufe der Jahre „Gefällt mir“ geklickt hat. Meist sind es mehr als man denkt und von vielen hat man seit langem nichts mehr gehört – entweder, weil sie nicht mehr aktiv sind oder weil der Facebook-Algorithmus sie als nicht relevant erachtet hat. Auch hier lohnt unter Umständen ein Neujahrsputz. (Ich habe offenbar zu meiner großen Überraschung irgendwann einmal Tupperware Montenegro geliked – und heute wieder entfernt.) Allerdings muss man einzeln auf jede Seite, die einem nicht mehr gefällt, gehen und dort die „Gefällt mir“-Angabe entfernen.
  3. Alle seine Facebook-Freunde findet man unter https://www.facebook.com/search/me/friends. Anders als Facebook-Seiten, können die Freunde alles sehen, was wir auf Facebook veröffentlichen, wo wir waren, was uns gefällt usw. Auch hier kann man sich eventuell die Frage stellen, ob diese sozialen Kontakte so noch aktuell sind oder man im Sinne der Datensparsamkeit einige entfernte Bekannte aus dem Verteiler entfernt – oder ob man einigen lange vergessenen Freunden, über die man sich freut, ein frohes neues Jahr wünscht.

Facebook Government Request Report

Facebook hat heute den ersten ‚Global Government Requests Report‚ veröffentlicht: Im ersten Halbjahr 2013 haben deutsche Behörden demnach 1.886 Mal die Herausgabe von Nutzerdaten bei Facebook gefordert.

Deutschland liegt damit bei der Zahl der Anfragen weltweit an vierter Stelle nach den USA, Großbritannien und Indien.

Der Bericht enthält Angaben darüber,

  • welche Länder Daten von Facebook gefordert haben,
  • die Zahl der Anfragen aus diesen Ländern,
  • die Zahl der Nutzer bzw. Nutzerkonten, die in diesen Anfragen enthalten waren sowie
  • den Anteil der Anfragen, denen Facebook tatsächlich gefolgt ist.
Photo: Christian Möller/ theinformationsociety.org

Photo: Christian Möller/ theinformationsociety.org

In Deutschland hat Facebook nach eigenen Angaben in 37% der Auskunftsersuchen der deutschen Behörden – also in knapp 700 Fällen – Folge geleistet.

Facebook folgt mit dem Report dem Beispiel von Google, das bereits seit 2009 einen Transparenzbericht zur Zahl der Auskunftsersuchen zu Nutzerdaten oder auch Forderungen nach der Löschung von Inhalten durch staatliche Stellen nachkommt.

2013 Social Media Guidebook

2013 OSCE Social Media Guidebook

The 2013 Social Media Guidebook explores the potential and the challenges of social media and the right to freedom of expression as new media develop.

The authors Christian Möller, Marissa Moran, Douglas Griffin, Andrei Richter, Anna Kachkaeva, Ross La Jeunesse et al. address contemporary issues affecting journalism and media in general.

It is an assessment of the potential and the challenges of social media and how it relates to the rights of free expression and free media. In articles and specific case studies this Guidebook lays out the field of social media and its effect on journalism.

A summary of the findings is also published in the current edition of IRIS – Legal Observations of the European Audiovisual Observatory (Strasbourg, April 2013, ISBN 978-92-871-7662-2).

The publication is written for journalists,consultants, regulatory officials and undergraduate and graduate students.

A PDF version of the book is available at www.osce.org/fom/99563.

Also available in Russian under www.osce.org/ru/fom/99564.

Printed versions can be obtained free of charge from the Office of the OSCE Representative on Freedom of the Media.

Facebook Timeline

Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast. Und vorletzten.

Nach einiger Vorbereitung hat Facebook nunmehr die Timeline – die neue Profilansicht – für alle Facebbok-Nutzer freigeschaltet. Damit wird auch eine neue Qualität des Stöberns in der Vergangenheit erreicht. In der eigenen und der der Anderen. Eine Darstellung, die man bisher nur von Brangelina & Co. aus der Boulevard-Presse kannte, hält Einzug ins eigene Leben. Zeit also, das digitale Zuhause auszumisten?

Die Timeline verändert bekanntermaßen zunächst einmal die Art und Weise der Darstellung der Nutzerprofile auf Facebook. An die Stelle einer linear chronologischen Darstellung, an der man bisher entlang scrollen konnte, tritt eine bequeme und optisch ansprechende Navigation über die namengebende Zeitachse, Lebensereignisse oder Kategorien wie Freunde, Likes oder Check-ins.

Gleichzeitig geht die Timeline jedoch über eine bloße neue Form der Darstellung hinaus, sie schafft eine neue Qualität der akkumulierten Daten. 1 + 1 sind auf einmal 3. Das Argument, dass die Timeline damit lediglich Informationen neu zusammenstellt, die die Nutzer selbst eingestellt haben und die auch heute schon vorhanden sind, greift zu kurz.

Genauso könnte man behaupten, eine Invers- (also Rückwärts-) Suche, um von einer Telefonnummer auf den Anschlussinhaber zu kommen, sei auch bereits mit Hilfe eines Telefonbuches möglich gewesen. Theoretisch mag dies zwar stimmen, praktisch zeigen sich hier aber die zusätzlichen Möglichkeiten, die sich durch Datenakkumulierung und Sortierung ergeben.

Die Timeline ermöglicht ein völlig neues Facebook-Erlebnis. Vielleicht hatten deswegen manche Kommentatoren den Eindruck, Marc Zuckerberg sei bei der Präsentation seiner eigenen Timeline selbst überrascht gewesen. Facebook hat eine beispielslose Möglichkeit, die Geschichte des eigenen Lebens in einer nie dagewesenen Art zu erzählen – und tut dies.

Zeitmaschine

Mit Schaltflächen für das Jahr, die Auswahl, ob man alle Meldungen oder nur die Highlights sehen möchte, sowie einem Filter mit der man in der Timeline von Freunden Photos, Checkins und andere Elemente auswählen kann, lässt es sich leicht durch Lebensereignisse der Freunde navigieren. Wofür man bis dato gute Freunde Jahre oder Jahrzehnte begleiten musste oder lange Gespräche bei Wein oder Kaffee geführt hat, ist nun per Mausklick ersichtlich – auch für die Zeit, in der man noch gar nicht befreundet war.

Die neue Navigation erlaubt den Sprung direkt in einen bestimmten Monat eines bestimmten Jahres. Facebook ist dabei so freundlich, die Links zu den Monaten, in denen es Statusupdates gab, automatisch zu erstellen. Sowie einen Eintrag für die eigene Geburt – Zeit also, die Kinderbilder zu scannen?

So können Freunde auf einen Klick beispielsweise nicht nur sehen, was ich im Sommer 2008 gemacht habe, sondern sich auch in einer übersichtlichen Kartendarstellung alle Orte ansehen, die ich etwa im August 2008 besucht habe. Oder wie viele Freunde man in diesem Sommer gewonnen hat. Vor allem in Verbindung mit der Kartendarstellung lassen sich erstaunliche Einblicke in das eigene Leben – und eben auch das Leben der Anderen – auf Facebook erlangen.

Nach wie vor ist die alles ist nur möglich, wenn man es seinen Freunden erlaubt. Umso wichtiger, sich anzusehen, was man seinen Freunden zugänglich machen möchte.

In jedem Fall ist ein Daten-Frühjahrsputz, wie Kashmir Hill ihn vorschlägt, sicherlich keine schlechte Idee beim Umstieg auf die Timeline. Zumal eine Rückkehr zur klassischen Profilansicht nach der einmaligen Aktivierung der Timeline nicht möglich ist. Facebook selbst gibt dem Nutzer hierfür sieben Tage nach der Aktivierung.

Daten-Frühjahrsputz

Wenn die Party-Bilder der Abschlussfeier oder die ersten Pinnwand-Flirts mit der jetzigen (oder vorherigen) Freundin, die bis jetzt in den Tiefen des Facebook Profils verborgen waren, auf einen Mausklick plötzlich wieder für alle – damaligen und heutigen Freunde – verfügbar sind, mag manch ein Nutzer sich vielleicht tatsächlich als Kurator seiner eigenen Timeline betätigen.

Die Sicherheitsexperten von F-Secure raten beispielsweise zu drei Dingen vor dem Umstieg auf die Timeline:

  1. Überprüfe Deine Freundschaftseinstellungen – und Deine Freunde
  2. Überprüfe wie Du markiert („tagged“) werden kannst
  3. Überprüfe Deine Apps

Für alle Posts kann man bekanntermaßen eine Privatsphären-Einstellung wählen. Facebook bietet darüber hinaus aber auch noch eine Art Reset-Button, mit dem man alle seine vergangenen Posts auf einen gewissen Nutzerkreis einschränken kann, egal mit welcher Einstellung, diese zum damaligen Zeitpunkt veröffentlicht wurden.

Man findet die Schaltfläche in den Privatsphäre-Einstellungen (zu erreichen über den kleine Pfeil oben rechts) unter dem Eintrag „beschränke das Publikum für ältere Beiträge“. Mit zwei Klicks (es folgt noch eine Sicherheitsabfrage) kann man so die Sichtbarkeit aller bisheriger Posts auf „Nur Freunde“ beschränken.

Diese Einstellung lässt sich global zwar nicht mehr rückgängig machen, man kann aber im Nachhinein alte Posts wieder für weitere Kreise oder individuell festlegen.

Auch ein näherer Blick auf Facebooks aufgebohrte Freundes-Listen, um festzulegen, wer die Anderen sind, die die eigene Timeline sehen können, lohnt sicherlich ebenfalls.

Wer überprüfen möchte, wie viele seiner Freunde er tatsächlich kennt, dem sei der Test „How well do YOU know your Facebook Friends?“ empfohlen. Hiernach erkennt ein Facebook-Nutzer im Durchschnitt nur 73 Prozent seiner Freunde anhand ihrer Profilbilder. Frauen schneiden dabei übrigens besser ab als Männer. Die Empfehlung der Macher des Quizzes? Unfreundlich werden.

Zudem empfiehlt es sich, sich das Menü „Funktionsweise von Markierungen“ (ebenfalls in den Privatsphäre-Einstellungen) vorzunehmen. Um sicherzugehen, dass keine Photos, Beiträge oder Check-ins von einem selbst auf der eigenen Timeline erscheinen, ohne dass man zumindest vorher zugestimmt hat, sollten die Einstellungen wie folgt aussehen:

Ebenfalls mit dem virtuellen Staubtuch sollte man sich den Apps nähern, die sich über die Jahre gesammelt haben, und die teilweise extensiven Zugang auf die eigenen Daten (und die der Freunde) in Anspruch nehmen (Privatsphaere-Einstellungen > Apps und Websites). Viele werden erstaunt sein, wie viele Apps man seit Jahren nutzt bzw. eben nicht mehr nutzt. Dasselbe gilt umgekehrt auch für die Daten, die man Apps von Freunden zugänglich machen möchte.

Activity Log

Schließlich bietet Facebooks neues Activity Log (das nur für einen selbst sichtbar ist) nach Aktivierung der Timeline einen Überblick über alle bisherigen Posts, die in der Timeline erscheinen. Hier kann man für jeden einzelnen Eintrag festlegen, ob er in der eigenen Timeline erscheinen soll oder nicht – oder gar hervorgehoben werden soll. Auch kann man hier alte Einträge ganz löschen oder den Empfängerkreis

Ob die Neuerung der Timeline einem zusagen oder nicht, sollte man am besten selbst ausprobieren. Die Erfahrung zeigt, dass erst das Stöbern in der eigenen Timeline die ganze Dimension der Änderungen vor Augen führt. Die Timeline bietet viele begeisternde Features – macht aber auch eine ständige Pflege und ein Austarieren, wem man was zugänglich machen möchte, notwendig.

Hierfür gibt es bei jedem Eintrag in der Timeline zudem die Möglichkeit, diesen zu featuren, also einzelne Einträge, Fotos oder Videos prominent über die ganze Breite der Timeline hervorzuheben, oder einzelne Posts zu löschen oder editieren.

Und wie gesagt, den Adressatenkreis jederzeit für jeden Eintrag individuell festzulegen. Oder man behält gleich alles für sich.

Das Leben als Album

Schließlich bieten die Privatsphäre-Einstellungen auch die Möglichkeit, Inhalte nur für sich selbst (naja, und für Facebook) zugänglich zu machen und so ein ganz eigenes, visuell ansprechendes und einfach zu navigierendes, interaktives Album seines Lebens anzulegen. Und vielleicht später an die Enkel weiter zu geben.

Solche und weitere Anwendungen für die Timeline sieht auch Charlie White von Mashable, etwa die Darstellung der Geschichte des Familienunternehmens, die Präsentation der „Timeline einer Beziehung“ – statt Diashow – auf der Hochzeit, oder die PR-polierte Timline-Darstellung eines Politikerlebens.

Oder wie wäre es damit, das Aufwachsen seines Kindes, Enkels oder Patenkindes in einer Art und Weise zu dokumentieren, wie es kein klassisches Fotoalbum und kein Blog bislang ermöglicht hat?

Die zukünftigen Verwendungen von Facebooks Timeline sind heute jedenfalls noch nicht abzusehen. Die Vorstellung einer Verknüpfung von Timeline und Facebook Pages und damit die Möglichkeit, verschiedene Timelines für verschiedene Zwecke anzulegen, lässt jedoch die langfristige Entwicklung erahnen.

In jedem Fall begibt sich Facebook mit der Timeline auf eine neue Ebene – und es bleibt spannend, wie die Nutzer diese Änderungen annehmen.

Dies ist eine überarbeitete und ergänzte Version eines Gastbeitrages für allfacebook.de, der ursprünglich unter dem Titel „Facebook Chronik – Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast. Und vorletzten.“ dort am 16. Dezember 2011 erschienen ist.

(Photos: allfacebook.de, theinformationsociety.org)